Visitenkarten hinterm Scheibenwischer?

Autohändler Frankfurt

Vielleicht ist Ihnen das auch schon passiert: Sie kommen zurück zu Ihrem geparkten Auto und wundern sich über weithin sichtbare Zettel, Kärtchen oder auch Visitenkarten, oft in Leuchtfarben, mit Aufschriften wie „Ich kaufe Ihr Auto“ oder „Sofortige Barzahlung“. Bei näherem Hinsehen wird Ihnen klar, dass es sich hier um Autohändler handelt, die offenbar am Spontankauf Ihres Fahrzeuges interessiert sind.

Einmal abgesehen davon, dass diese Art der Kontaktaufnahme eigentlich gesetzwidrig ist, sind diese Interessenten nicht in allen Fällen unseriös oder kriminell – wie man durchaus vermuten könnte. Sollten Sie jedoch beabsichtigen, auf ein solches Angebot näher einzugehen, sind auf alle Fälle besondere Vorsichtsregeln zu einzuhalten, auf die wir zur Orientierung hinweisen möchten. 

 

Diese Händler – es handelt sich in den allermeisten Fällen wirklich um solche – sind tatsächlich an Ihrem Fahrzeug interessiert, spekulieren allerdings oftmals auf eine Überrumpelungstaktik, um ein „Schnäppchen“ hinsichtlich des Preises zu machen. Dem sollten Sie vorbeugen und nur mit gründlicher Überlegung und besonderer Zurückhaltung handeln. Diese potenziellen Käufer – meist ausländische Händler – suchen in der Regel Autos für den Export und möchten Ihr Fahrzeug am liebsten an Ort und Stelle gleich übernehmen. Sehr oft wird nicht einmal eine Probefahrt gewünscht, es zielt alles darauf ab, den Wagen unverzüglich, unkompliziert und so billig wie möglich zu übernehmen. Lassen Sie sich also von aller – oft schwerverständlicher – Rhetorik nicht übertölpeln und bewahren Sie eine klare und durchdachte Haltung. Der unvermeidliche Redeschwall zielt größtenteils darauf ab, Ihr Fahrzeug schlechtzureden und damit den Preis zu drücken. Da entsprechende Routine vorhanden, wird auch noch die kleinste Unzulänglichkeit entdeckt und aufgebauscht und beispielsweise konstatiert, der Motor sei schlecht, man höre dies!

 

Trotzdem ist in diesem Zusammenhang – wie gesagt – nicht alles unseriös oder vorab abzulehnen. Mit dem richtigen taktisch klugen Vorgehen können Sie Ihr vielleicht schon betagtes  Auto, für welches sonst keine guten Marktchancen mehr existieren, welches Probleme hätte, die nächste Hauptuntersuchung zu überstehen, günstig loszuwerden. Hiermit ist schon ausgesagt, welche Zielgruppe vor allem auf diese „Kärtchenhändler“ eingehen sollte – gut vorbereitete Verkaufswillige, die gute Gründe haben Ihr Fahrzeug auf diesem Wege zu veräußern. Unabdingbar ist es allerdings, im ureigensten Interesse einige Gesichtspunkte zu beachten, die wir nachfolgend kurz zusammenfassen möchten:

 

Reagieren Sie auf derartige Angebote dann, wenn Sie ohnehin vorhaben, sich von Ihrem Wagen zu trennen.

 

Informieren Sie sich vorher gründlich über den Wert Ihres Fahrzeuge beispielsweise in einschlägigen Internet-Portalen. Eine ausgezeichnete Informationshilfe ist dafür die Schwacke-Liste oder auch die bekannten Ankaufunternehmen „wirkaufendeinAuto.de“ oder „jetztautoverkaufen.at“. Auch bei einem Automobilclub können Sie hierfür umfassende Informationen über den Restwert erhalten.

 

Rechnen Sie bei Verhandlungen mit fast allem, auch dass man versuchen wird, Sie zu betrügen. Erscheinen Sie nicht alleine, sondern sorgen Sie dafür, dass eine zweite Person anwesend ist – zur zusätzlichen Sicherheit und auch als Zeuge, die Händler ihrerseits treten meist zu zweit auf den Plan.

 

Akzeptieren Sie keinen einsamen Verhandlungsort (Parkhäuser, Autobahnparkplätze Waldgebiete), denn falls ein derartiger vorgeschlagen wird, deutet das auf eventuelle kriminelle Absichten hin – dies muss man in diesem Fall geradezu unterstellen und sollte entsprechend reagieren und die Kommunikation abbrechen.

 

Ihr Fahrzeug sollten Sie vor Beginn der Verhandlungen schon vorbereitet und alles Persönliche entfernt haben. Viele dieser Händler wollen es gleich mitnehmen, deswegen ist es optimal, wenn es bereits abgemeldet ist, da Sie im Falle eines derartigen Versprechens des Käufers davon abhängig sind, ob dieser ehrlich und zuverlässig ist. Wenn er seine Zusage nicht einhält, fällt für Sie weiterhin Steuer an und Sie werden für mögliche Unfallschäden haftbar gemacht.

 

Eine Strecke für eine mögliche Probefahrt sollten Sie sich vorher schon überlegen. Überlassen Sie Ihr Fahrzeug nicht dem Käufer alleine, sondern fahren Sie (und Ihr Begleiter) mit, denn sonst könnte es ein Nimmerwiedersehen geben. 

 

Selbstredend sollten Sie die Fahrzeugpapiere bis zur Übergabe des Kaufpreises nicht aus der Hand geben.

 

Bleiben Sie bei der Preisfestlegung, durchaus hartnäckig, vor allem wenn Ihnen der Wert Ihres Autos bekannt ist. Man wird versuchen, mit aller Raffinesse den Kaufpreis zu drücken. Gehen Sie mit Fingerspitzengefühl vor! Es hat Fälle gegeben, in denen der Händler die Verhandlungen scheinbar abgebrochen hatte, um später telefonisch doch noch ein weiteres Angebot zu unterbreiten.

 

Akzeptieren Sie nur Barzahlung, keinen Scheck, denn ein Scheck ist nur ein Zahlungsversprechen, das nicht immer eingehalten wird. Ist er ungedeckt, ist er nur ein wertloses Stück Papier, das Auto aber ist verschwunden.

 

Lassen Sie sich nicht auf eine Zusage ein, spezielle Telefonnummern zurückzurufen und zahlen Sie keine Gebühren für Bearbeitung und die Vermittlung angeblich wichtiger Kontakte. Dies wird von Händlern, die seriös sind, nicht verlangt.

 

Resümee

Wenn Sie trotz Beachtung all dieser Vorsichtsmaßnahmen und Berücksichtigung dieser Tipps Vorbehalte gegen diese Form des Autoverkaufs haben, dann gibt es andere konventionelle Möglichkeiten, Ihr Fahrzeug zu veräußern. Als Beispiel sei hier nochmals auf die erwähnten Internet-Adressen hingewiesen sowie auf spezielle Ankaufunternehmen, Auktionshäuser, Gebrauchtwagenbörsen. Der „Visitenkarten-Verkauf“ sollte eigentlich nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn das „Objekt der Begierde“ seine beste Zeit bereits hinter sich hat und sein Wert in überschaubarem Rahmen liegt.